The Internet of Things (IoT) – Herausforderung an das Management

Wer sich mit Management befasst, wie wir das im Rahmen von Global Cultures und Global Leaders tun, kommt um neue Technologien und die damit verbundenen Herausforderungen nicht herum. Unser Freund und Geschäftspartner aus San Diego, Daniel Obodovski, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema und viele seiner Thesen und Erkenntnisse, die er u.a. in seinem Buch über das Internet of Things „The Silent Intelligence“ 2013 vorgestellt hat, sind mittlerweile Realität oder bereits überholt. Wir veröffentlichen hier einige Auszüge aus einem seiner Artikel. Denn dies beschreibt, mit was es Führungskräfte in Zukunft zu tun haben werden! Seine Aussagen sind kursiv gedruckt.

Technische Möglichkeiten – Entwicklung mit „Lichtgeschwindigkeit“

„Die technologischen Fähigkeiten unserer Tage entwickeln sich deutlich schneller als unser Verständnis der Probleme, die diese Technologien eigentlich lösen sollen. Tatsächlich treten wir gerade jetzt in eine sehr kritische Phase ein – die Lösung branchenübergreifender Probleme mit IoT & ML. Das Top-Management darf sich allerdings nicht nur auf die neue Technologie verlassen.“

Die Initialzündung vor 20 Jahren – Smartphones und 3G-Netz

„Smartphones haben über die letzten 10 Jahre die globale Produktivität im Durchschnitt um 34 Prozent erhöht. Smartphones haben aber auch völlig neue Geschäftsmodelle geschaffen, die vorher unmöglich waren. Uber ist hier ein beliebtes Beispiel, aber auch Mitarbeiter, Fahrer Lageristen und unzählige weitere konnten von neu entstandenen industriellen Workflow-Anwendungen profitieren. Dennoch: definiert man die Vergabe der 3G-Lizenzen als Geburtsstunde der Hochgeschwindigkeitsnetze, hat es immerhin 20 Jahre gedauert, bis wir die heutigen Ergebnisse einfahren konnten.“    

Die Zukunft steht bereit – und hat uns bereits oft überholt

„IOT-Infrastrukturbereitstellung, Netzwerke, Sensoren und generell die Verbindung des Unverbundenen – auch über das signifikante Potenzial der IOT-Technologien in verschiedenen weiteren Branchen, wie z.B. Connected Cities, Gesundheit, Haushalte oder im Automobilbereich kennzeichnen diese Entwicklung. Angetrieben durch das schnell wachsende mobile Computing-Ökosystem, sind viele Flächen bereits mit 4G-Technologie abgedeckt und die Kosten für Sensoren und Rechner sind dramatisch gesunken. Die Unternehmen nutzen Cloud-Technologie, Streaming-APIs und Algorithmen für maschinelles Lernen. Das IOT wird zu dem, was es ursprünglich sein sollte – ein Mittel zum Zweck, ein Werkzeug um die Daten von Objekten zu erfassen, zu transportieren und zu analysieren: das können mobile Geräte, Autos, Kameras, Gebäude, Felder, Krankenhäuser, Produktionsstätten und vieles mehr sein. Heute ist bereits eine überwältigende Menge an Industriemaschinen vernetzt, sie erzeugt Petabytes an Daten. Tatsächlich stehen wir laut letztjährigem KPCB Internet Trend Report kurz davor, das Datenvolumen alle zwei Jahre zu verdoppeln. Schon jetzt verfügen Unternehmen und Regierungen damit bereits über mehr Daten als sie heute sinnvoll nutzen könnten.“

Die neue Herausforderung an Management und Führung

„Die technologischen Fähigkeiten sind unserem Verständnis davon, welche Probleme mit IoT gelöst werden könnten, weit voraus. Dies ist vielleicht sogar die größte Herausforderung für die moderne Wirtschaft überhaupt – die Lücke zwischen Technik und Realität zu verstehen und zu schließen. Während Technologieunternehmen damit beschäftigt sind, neue Sensoren, Netzwerke, Plattformen und intelligente Algorithmen zu verkaufen und einzusetzen, versuchen die meisten Unternehmer herauszufinden, wie man im Wettbewerb standhält, die Auslastung in der Fertigung erhöht oder Kosten optimiert.“

Machtvolle Beispiele – und das ist nur der Anfang

„Vor einigen Jahren fuhr die lokale Paketzustellung fast gegen die Wand: zumindest in den USA wuchs der E-Commerce-Sektor mit zweistelligen Raten, während das Wachstum der Paketzusteller unter zehn Prozent blieb. Diese Situation führte zu Kapazitätsengpässen und damit zu Lieferverzögerungen und Kundenfrustration. Die Paketzusteller versuchten das Problem zu lösen, indem sie die Gebühren erhöhten – anstatt die Kapazität zu erhöhen. In seinem Geschäftsbericht stellte wiederum Amazon fest, dass die Versandkosten für Prime-Kunden durch die Decke gingen. Angesichts einer Mini-Krise und um das Kostenproblem in den Griff zu bekommen, fing Amazon an, eigene Kapazitäten aufzubauen – und vernetzte alle Lieferwägen in einem IoT-basierten Managementsystem. Das Ergebnis ist bekannt: Heute liefert Amazon auf Wunsch taggleich – und möchte sich noch weiter verbessern. Indem Amazon sein eigenes Kosten- und Kapazitätsproblem anging, konnte das Unternehmen einen erheblichen Mehrwert für seine Kunden schaffen.“

Quasi unbegrenzte Möglichkeiten

„Einige IoT-Anwendungen, die ML (maschinelles Lernen) nutzen, optimieren beispielsweise das Design von Ausstellungsflächen in Supermärkten, basierend auf dem Bewegungs- und Kaufverhalten der Kunden; oder sie erkennen Ineffizienzen und Optimierungspotenziale in der Lieferkettenprozesse durch die Analyse von Frachtverfolgungsdaten; sorgen für eine Optimierung des Stadtverkehrs, steuern adaptive Ampeln unter Berücksichtigung des Verkehrs, des Wetters, von Straßensperrungen oder weiteren Datenquellen. ML spielt zunehmend eine entscheidende Rolle bei der Digitalisierung von Unternehmensprozessen und wird die Art und Weise, wie wir Innovationen vorantreiben dramatisch verändern – und diejenigen zurücklassen, die zu langsam sind um sich den Entwicklungen anzupassen.“

Ein sehr deutsches Thema – Datenschutz

In meinen Deutschland-Seminaren habe ich eine Folie, die auf Stereotypen eingeht – eben Dinge, die man typischerweise mit Deutschland verbindet. Dort findet man Bilder von Autos, Fußball, Bier oder Gartenzwerge – ich habe neulich ein Symbol für Datenschutz ergänzt. In China kann man auf jedem Gemüsemarkt mit dem Smartphone bezahlen. In Deutschland feiert das Bargeld fröhliche Urstände. Nicht zu Unrecht – ein Smartphone kann gehackt werden. Woanders steht die Convenience über allem! Interkulturelle Aspekte spielen also bei der technologischen Entwicklung offenbar auch eine große Rolle.

Ein Schlüsselaspekt der Nutzung der Technologien – Datenschutz und -sicherheit

„Bei allen Versuchen, mit den technologischen Möglichkeiten Schritt zu halten, darf allerdings der Fokus auf Sicherheitsaspekte und Datenschutz nie verloren gehen. Während die Sicherheit die Daten vor einem unbefugten Angriff schützt, verhindert der Datenschutz den unerwünschten Transfer in die falschen Hände. Schließlich bleibt die Frage des Dateneigentums, oder vielmehr die damit verbundenen Fragen: Wer ist zum Zugriff auf die Daten berechtigt und kann Analyse-Werkzeuge einsetzen, um diese Daten wiederum in ein Geschäft umzumünzen? Alle weiteren Fragen können zwischen Partnern, Kunden und Lieferanten verhandelt werden, solange es einen gemeinsamen Wert gibt: Schutz der Privatsphäre und der Sicherheit der Daten.“

Schlüsselfaktoren der Zukunft für Deutschland und Europa

„In meinem (Anm. d. red.: D. Obodovski) Gespräch mit Roberto Alvarez, Executive Director der Global Foundation of Competitiveness Councils (Wettbewerbsfähigkeitsrat), betonte dieser, dass die Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie von Talenten/Fertigkeiten und technologischer Innovation bestimmt wird. Europa sei zwar führend bei Talenten und Fähigkeiten insgesamt, müsse aber bei Unternehmertum und Innovation dringend aufholen.“

Was ist zu tun?

„Es gilt, die industrielle Erfahrung mit unternehmerischem Denken zu befruchten. Der kritische Blick, der bestehende Prozesse analysiert, sie aber durch das Prisma aus Digitalisierung, Sensoren, Konnektivität und maschinellen Lernalgorithmen betrachtet. Das Denken, das es erlaubt, einwöchige Prozesse auf Stunden oder Minuten herunter zu brechen. Schlussendlich wird es eine Kombination aus Lösungsdenken, Design-Denken und musterbefreitem Denken sowie der sinnvollen Verknüpfung ebendieser Ergebnisse sein.“

Und die Konsequenzen für das Management?

„Es wird nicht ausreichen, die besten Talente zu gewinnen. Das Top-Management kann sich nicht nur auf die neue Technologie verlassen. Absolut entscheidend ist, dass das Management nicht aufhört, (auch selbst-)kritische Fragen zu stellen, bis es genug versteht über die Leistungsfähigkeit neuer Technologien, um so überhaupt die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Ansonsten läuft das Top-Management Gefahr, von der eigenen PR- oder Marketingabteilung in die Irre geführt zu werden. Es gibt – für Führungskräfte und insbesondere auf C-Level Ebene – keine Ausrede mehr, die fehlende technologische Bildung entschuldigen könnte. Denn die wichtigste Fähigkeit ist, das eine Signal inmitten großen Rauschens zu erkennen.“

Fazit

Führungskräfte werden zunehmend mit neuen Themen konfrontiert, von denen viele nicht einmal wissen, dass es sie gibt. Einerseits gilt es, sich auf technologischem Gebiet weiterzubilden. Es geht aber auch darum, diejenigen adäquat zu führen, die sich gut damit auskennen. Das bedeutet:

  • Es geht nicht mehr darum, dass die Führungskraft am besten Bescheid weiß
  • Es geht darum, diejenigen zu entdecken und zu führen, die sich auskennen
  • Klassische Führungsmethoden stoßen in dieser neuen Welt an ihre Grenzen
  • Die Anwendung kulturadäquater Führungsstile und gegebenenfalls die Änderung der eigenen Einstellung werden zu Erfolgsfaktoren
  • Hierbei geht es nicht nur um nationale Kulturen, es geht auch um die Veränderung der Mentalitäten der Generationen innerhalb einer Kultur

Wollen Sie mehr erfahren? Gern können Sie uns und Daniel Obodovski kontaktieren – wir kennen die Herausforderungen – und wir wissen, wie Sie sich den beschriebenen neuen Herausforderungen erfolgreich stellen können.

Die „Weisheit“ des John Cleese

Von einem Lehrfilm über Werbung und Managementmethoden aus den 80er Jahren blieben mir folgende Worte des Moderators John Cleese, Mitglied der legendären Komiker-Truppe Monty Python aus England, in Erinnerung: „Some companies make things happen, some companies watch things happen and some companies wonder what happens.“ Eine „alte Weisheit“, die gerade heute  hochaktuell ist! Zu welcher Kategorie möchten Sie gehören? Zeit kann man nicht anhalten und die Zukunft wartet nicht.

 

Daniel Obodovski
…ist Gründer und CEO von The Silent Intelligence und
Co-Autor eines der ersten IoT-Fachbücher, welches 2014 in
die Top10 bei Amazon aufstieg. Nach Top-Positionen bei
Motorola und Qualcomm beschäftigte sich zunehmend
mit SmartCity-Projekten, und gründete u.a. SCALE San
Diego (Smart Cities Accelerator, Labs & Environment).

By | 2020-11-07T13:48:11+00:00 07. 11. 2020|Führungstraining, Global Cultures|

About the Author:

Rainer Beekes ist interkultureller Experte aus der wirtschaftlichen Praxis. Während seiner Unternehmenslaufbahn war er über 25 Jahre für multinationale Konzerne wie z.B. Volkswagen Financial Services, American Express, GMAC oder Société Générale in 5 Ländern in Linien- und Führungspositionen tätig. Der studierte Betriebswirt und Master of International Management (MIM) leitet Global Cultures – Akademie für interkulturelles Management, für die über 200 Experten zu 112 Ländern und Regionen weltweit tätig sind. | Linkedin | Xing | Google+ | Twitter | youtube | RSS |